Ron Williams: „Martin Luther Kings Botschaft und ihre Relevanz heute“

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Sabine Asgodom traf Ron Williams zum bewegenden Interview:

Sabine Asgodom (SA) : Eines deiner Lieblingslieder ist “A sun shiny day .. .“Wo nimmst du diesen Optimismus her, in dieser Welt, die ja nun auch einige dunkle Wolken hat?

Ron Williams (RW): Weil ich keine andere Wahl habe. Man muss ja die Sachen immer wieder positiv betrachten, denn es bringt nichts, sich dauernd in einer negativen Haltung zu bringen. Das schadet nicht nur der Gesundheit sondern es schadet auch der Gemeinschaft. Das heißt den anderen. Deshalb sage ich immer: Man muss denken wie Dr. King oder wie unser großer Nelson Mandela und die anderen großen Männer, die das vorgelebt haben. Man kann nur positiv und mit Empathie und mit Menschlichkeit diese Welt versuchen zu ändern.

SA: Weshalb bist du von Anfang an bei unserer Initiative Reden für Menschlichkeit dabei?

RW: Ganz einfach – ich bin dabei, weil das das Normalste als ein Mensch ist. Als ein – human being it´s the most normal thing to do. Und – vor allem: it´s the right thing to do. That´s why I am joining it. Yeah.

SA: Was erhoffst du dir von der Veranstaltung?

RW: Ich hoffe natürlich, dass wir mehr Menschen gewinnen. Besonders junge Menschen – nicht nur – aber auch. Und dass wir diese Gesellschaft hier in Deutschland auf das Gleis setzen (viele sind schon drauf – mehr müssen drauf!) – ein Gleis das nicht dahin führt – wie leider Gottes bei mir zu Hause – ich meine die USA – wo wir sehen, was das bedeutet, wenn eine Gesellschaft zu sehr in die falsche Richtung geht, was da passieren kann. Und was da für hässliche Dinge passieren – ugly demonstrations of inhumanity and brutality. Ich bin hier in Denglish unterwegs – ich hoffe die Leute verstehen beide Sprache. Es ist nur eine Sache, die man nicht laut genug hinaus – nicht schreien – aber sprechen / sagen kann. Darum der Titel „ Mund auf für Menschlichkeit“. Das heißt nicht immer schweigend durch die Gegend laufen. Sondern wenn man Ungerechtigkeiten erlebt oder etwas hört, die Stimme erhebt. Ich misch mich immer ein, wenn es nicht zu gefährlich ist: „Pass auf. Ist das wirklich so wie Sie das sehen oder könnte es auch sein, …“ Sich einzumischen ohne unhöflich zu sein: Aber MUND AUF! Say something stand up for what you think is right. That´s what I think is the right thing to do.

SA: Du arbeitest viel mit Jugendlichen in Schulen. Welche Erfahrungen hast du da gemacht?

RW: Tolle Erfahrungen! Das mache ich seit 2000. Das heißt: Meine Schultour für Toleranz. Das habe ich jetzt an fast 200 Schulen gemacht. Ich erfahre, das Kids neugierig sind und viel mehr wissen wollen. Aber die Chance haben sie nicht in den Schulen nicht, mit den Lehrern darüber zu reden. Die Lehrer sagen mir immer: „Wir würden so gerne – aber die Uhr … (er klopft auf seine Armbanduhr) die böse Uhr . Wir haben nicht die Zeit und nicht die Energie, nach der Schule mit den Kids zu reden, über diese Themen zu sprechen. Es ist keine Frage, ob die Schulen schuld sind, sagen wir so: Ich find Eltern und die Familien haben auch eine große Verantwortung hier. Viele Eltern sind auch nicht informiert. Deshalb sind sie nicht in der Lage, den Kindern die richtigen Antworten zu geben. Deshalb braucht es Veranstaltungen wie unsere am 20. Mai in Berlin in der Urania. Ich hoffe, dass auch Eltern kommen, die Fragen haben.

Dorthin zu kommen und zu sehen was wir für verschiedene Aktionen und Ideen da geboren werden oder schon unterwegs sind, damit wir eine Gesellschaft hinkriegen, die mehr Empathie, mehr Menschlichkeit, mehr Toleranz, mehr Geduld hat. Man kriegt nichts hin ohne eine gewisse Opferbereitschaft. Opferbereitschaft ist auch etwas was dazu gehört. Man muss ein bisschen teilen. Damit alle eine bessere Welt vor sich haben.  Schon in der Highschool galt ich als „Ronny the lawyer“ – also, der Verteidiger, ich hab mich immer eingemischt. Es war furchtbar zum Teil. Immer wenn ich Ungerechtigkeit sah, war ich sofort da: „Ron, es geht dich gar nichts an“ – „Doch es geht mich was an. Es ist unfair, was Sie machen – Herr Lehrer.“

Und später, im Umgang mit Polizisten in Deutschland, als junger GI. Es ist etwas, was in mir drin ist. Und ich sehe nicht ein, dass ich wegschauen soll und meinen Mund halten muss, nur weil es unbequem werden könnte.

Ich finde, wir sind verpflichtet – nicht nur als Christen – sondern auch als Moslems, als Juden – egal. Man muss Menschen gut behandeln – wie meine Großmutter immer gesagt hat: Do onto others what you have him do onto you. Punkt. Besser kann man es nicht sagen. Das ist mein Ding. Deshalb will ich in dieser kleinen Rede das tun und zwei wunderschöne Songs bringen, die das auch ein bisschen musikalisch unterstützen.

SA: Du hast ein Theaterstück gemacht über Harry Belafonte, Nelson Mandela, du hast ein Theaterstück gemacht über Martin Luther King. Und dein Thema in Berlin wird sein, was wir von Martin Luther King lernen können. Kannst du uns schon ein, zwei Sätze über dein Thema sagen, weil wir neugierig darauf sind?

RW: Ja, ich hatte das Glück diese großen historischen Persönlichkeiten darzustellen in Deutschland und Europa und es macht Spaß. Und es ist komisch, alle kennen King : I have a dream. Das war dieser Schwarze, der diese berühmte Rede gehalten hat. Aber er wurde erschossen, brutal, ja furchtbar. Der ist viel marschiert. Und predigen konnte er auch. Und die meisten Menschen wissen gar nicht, dass King ein ungeheuer starker politischer Aktivist war. Das er Themen wie Vietnam als einer der ersten angesprochen hat, Mitte der 60er Jahre. In den Universitäten war er, der schwarze Prediger aus dem Süden, der bekannteste und beliebteste unter den weißen und unter den schwarzen Studenten. Und er hat dieses Thema angesprochen: Amerikas Brutalität gegenüber Vietnam. Dieser ungerechte Krieg. Und so weiter und so fort. Die Politik von Johnson und dann später Nixon. Er hat als Prediger als Pastor in seiner Meinung seine christliche Pflicht getan. „ Ich kann meinen Mund nicht halten, wenn ich sehe, dass Ungerechtigkeit geschieht.“

Egal wo, ob es um Schwarz / Weiß oder Arm / Reich oder Vietnam / Amerika oder die Entwicklung in Deutschland geht. Man muss seinen Mund aufmachen. Man muss was sagen. In meiner kurzen Rede in Berlin spreche ich auch von den Anderen. Ich spreche von Harry Belafonte, Mandela sowieso, von Gandhi auch und natürlich Bonhoeffer. Die habe ich ausgesucht als Beispiele von Leuten, die in der Lage waren, immer wieder ihre Meinung kund zu tun. Nicht sich zu verstecken. Es ist unbequem – ja. Aber in den Spiegel zu schauen am nächsten Tag und zu sagen: Ich schäme mich nicht für das, was ich getan habe. Ich habe was Gutes getan. Das finde ich sehr, sehr wichtig.

 

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„Es reicht! Wir müssen reden!“

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